pferdegestützte Psychotherapie / Das bio-psycho-soziale Modell

Ich habe mich auf die Behandlung und Begleitung von psychischen Erkrankungen spezialisiert.

Bei schweren Krankheitsbildern sollte eine pferdegestützte Therapie nicht als alleinige Therapiemethode in Anspruch genommen werden. Sie kann jedoch die therapeutische Behandlung sehr günstig beeinflussen. Insbesondere bei einer schweren Traumatisierung ist die pferdegestützte Arbeit sehr hilfreich, sollte aber zusätzlich zur psychotherapeutischen Behandlung in Anspruch genommen werden.

Der Vorteil dieser Therapieform liegt darin, dass therapiemüde Kinder und Jugendliche bei ihren Bedürfnissen und Wünschen aufgefangen werden. Für die Kinder ist es also eine Therapie die sich nicht nach Therapie anfühlt.

Bei der pferdegestützten Therapie gehe ich davon aus, dass wir die Fähigkeit zur Selbstheilung in uns tragen.

Dabei sehe ich den Menschen als bio-psycho-soziale Einheit.

  • Bio = Körperliche Reaktionen (Symptome)
  • Psycho = die gedankliche Kommunikation mit sich selbst, die innere Stimme, also das, was wir denken, unsere Glaubenssätze und daraus entstehende Verhaltensmuster
  • Sozial =Die Kommunikation mit der Umwelt (mit unseren Systemen - d.h. Familie, Verein, Arbeitgeber, Freunde usw.)

Das heißt, dass wir alles, was wir erleben auf mehreren Ebenen gleichzeitig verarbeiten.

Eine wichtige Folgerung aus dem bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell ist, dass alles, was wir erleben und/oder  was an der Entstehung von Erkrankungen, deren Verlauf und der Festigung von Symptomen beteiligt ist, immer beides betrifft. Dies gilt auch für die Behandlung von Störungen.

Gesundheit ist also kein statischer Zustand sondern bezeichnet die Kompetenz des menschlichen Gesamtsystems, Stress wirksam auf allen Ebenen situationsangemessen zu kontrollieren. Gesundheit muß in jeder Situation neu erarbeitet werden.

Dabei steht die Wahrung unserer menschlichen Grundbedürfnisse im Vordergrund. Diese sind:

Das Bedürfnis nach

  • Kontrolle, Sicherheit
  • Bindung
  • Selbstwerterhöhung
  • und Unlustvermeidung bzw. Lustgewinnung

Werden eines oder mehrere unserer Grundbedürfnisse anhaltend vernachlässigt, so stellt sich Krankheit ein. Dies kann durch Überforderung oder eingeschränkte Funktionstüchtigkeit unseres Systems geschehen.

Erleben wir bestimmte Situationen immer wieder, so entwickeln wir Mechanismen um diesen Erlebnissen umzugehen. Diese Mechanismen werden später automatisch abgerufen wenn ähnliche Situationen auftreten. Wir reagieren also autoregulativ.

Was ist aber, wenn sich unser System in traumatischen Situationen eine hilfreiche Regulation angewöhnt hat, diese Situation aber nicht mehr besteht? Oder wenn die Verarbeitung einer Situation stagniert  (z.B. bei einem Trauma)

Dann ist unser Regulations- (oder im Falle eines Traumas unseres "Heilungs-") mechanismus unterbrochen oder funktioniert nicht mehr der aktuellen Lebenssituation entsprechend. Grundbedürfnisse werden nicht mehr befriedigt, Krankheit kann entstehen.

Das heißt also, dass

das langfristige Ziel der Therapie ist die Entwicklung und  Förderung  solcher Regulationsfähigkeiten,  um die eigenen Grundbedürfnisse kontinuierlich selbst zu befriedigen und somit an einem angemessenen gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können

Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich die Schlussfolgerung:

  • dass jede "Störung"  ein kreativer Akt des Systems ist, um seine Grundbedürfnisse sinnvoll zu befriedigen
  • dass jede Therapie ausschließlich an den individuellen Ressourcen  ansetzt
  • dass  jeder Patient lernen kann, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren
  • dass mit Hilfe des Pferdes als Co-Therapeuten mechanisierte Verhaltensmuster aufgedeckt und auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft und aktualisiert werden können

Pferde spiegeln versteckte Gefühle und unstimmiges Verhalten. Sie erkennen dieses an der Körpersprache wie z.B. an dem Muskeltonus des Menschen. Die Achtsamkeit auf den eigenen Körper und die Wirkung auf das Gegenüber wird geschult.

Jeder Patient wird als Individuum gesehen. Seine einzelnen Bedürfnisse werden angesprochen und die individuellen Fähigkeiten, in einer für ihn angepassten Therapie, gefördert.

Durch die pferdegestützte Therapie sollen die Patienten selbstwerterhöhende, bindungsfördernde und kontrollbefriedigende lustbetonte Erfahrungen machen. Die Beschäftigung mit dem naturnahen Lebewesen Pferd bietet ein ganzheitliches Erleben mit allen Sinnen und eine Möglichkeit einen authentischen Beziehungsaufbau zu erfahren.

Therapieablauf:

Die Erstphase dient der Informationsgabe und -sammlung und der Begegnung mit dem Pferd. Mögliche Vorerfahrungen, Bedürfnisse, Ängste, Erwartungen und Wünsche werden besprochen. Es folgt die Erstellung eines individuellen Therapieplans mit entsprechender Zielsetzung.

Die pferdegestützte Therapie umfasst das Beobachten der Pferde, die Kontaktaufnahme auf der Weide, das Versorgen des Pferdes, das Führen und geführt werden, das Longieren und Voltigieren bis hin zum Freireiten.

Abhängig davon, auf welcher Ebene(körperlich – psychisch – sozial) gerade schwerpunktmäßig gearbeitet wird, kommen die dementsprechend individuell abgestimmten therapeutischen Interventionen zum Einsatz, die es ermöglichen, dass der Klient mit dem Pferd bindungsfördernde, selbstwerterhöhende, kontrollbefriedigende und lustbetonte Erfahrungen machen kann.

Auf der körperlichen Ebene (z.B. auf dem Pferderücken) können das entsprechend eher z.B. heilpädagogisch/förderpädagogische Übungen oder auch Körperarbeit mit bioenergetischem Ansatz oder Übungen aus der Hippotherapie sein.

Auf der psychisch-emotionalen Ebene kann der Schwerpunkt im Rahmen eines Therapieabschnitts eben eher auf z.B. Entspannungstechniken liegen oder aber auch um Beobachten, Kontaktaufnehmen, Führen bis hin zur Arbeit an der Longe und Freireiten gehen.

Hier wird deutlich, wie wichtig ein individueller Therapieplan für jeden Klienten ist.

 

"Das höchste Gut ist die seelische Harmonie mit sich selbst."

(Seneca)

 

 

Krankheitsbilder die mit individuellen Therapieplänen behandelt werden können:

  • Entwicklungsstörungen und -defizite
  • psychosomatische Störungen
  • Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Sozialverhaltensstörungen
  • Verarbeitung von schweren Krisen und Traumata
  • Begleitung bei chronischen, progredienten Krankheiten
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Selbstwertproblematik
  • Ängste, Phobien und Zwangserkrankungen
  • Gefühlsstörungen ( Depression, Aggression )
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Borderline- Störung
  • Suchtkrankheiten
  • Essstörungen
  • Psychosen

 

 

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